„Ich glaube nicht an Horoskope“, sagt Rolf Hellwig. Und er sagt es mit Nachdruck. Dennoch hat der Geschäftsführer vom Ingenieur- und Planungskontor IPK in Bockhorn eine der täglichen Prophezeiungen aufbewahrt, eine ganz bestimmte.
Sie ist aus November 1997, das Papier bereits vergilbt. „Sie werden heute einen Anruf bekommen, der ihr Leben entscheidend verändert“, heißt es dort.
Für Hellwig klang das damals eher wie ein schlechter Witz.
Saß er doch bereits seit einem Jahr auftragslos in seinem kleinen Ein-Mann-Büro in Westerstede und wartete darauf, dass endlich einmal das Telefon klingelte.
„Zuletzt habe ich nur noch vorbeigeschaut, um den Anrufbeantworter abzuhören“, erinnert sich der Unternehmer heute.
Aber an diesem Tag im November kam ein Anruf, das Horoskop hatte Recht behalten.
Plötzlich war alles anders: Hellwig erhielt seinen ersten Auftrag. Und was für einen. Er sollte die Planung für den Umbau und die Sanierung des Autohauses von Audi und Volkswagen in Leer übernehmen.

Der Geschäftsführer der Osterkampgruppe hatte Hellwigs Rufnummer in der Kundendatei gefunden. Hellwig dankte den Sternen und nahm ab sofort sein Schicksal wieder selber in die Hand: In nur einem Jahr plante, koordinierte und leitete er das Bauprojekt.
Der Anfang war gemacht. Aufträge für das VW-Zentrum Osterkamp Aurich, das VW-Zentrum Raffay in Hamburg sowie das weltweit erste und größte Nutzfahrzeug-Zentrum für VW in Hamburg kamen nach, IPK war auf Erfolgskurs.

Zehn Jahre nach der Gründung hat sich IPK zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen entwickelt.
Hellwig arbeitet mittlerweile in einem geräumigen und modernen Bürohaus in Bockhorn.
Fünf Angestellte zählen zu seinem Team, unter ihnen Ingenieure und Architekten. Vom Einfamilienhaus bis zur Hotelanlage hat IPK bereits mehr als 200 Projekte erfolgreich realisiert. Viele davon im Ausland.

„Vor ein paar Stunden war ich noch in Kiew – da ist schon Winter“, sagt der 42-jährige Geschäftsführer und blickt auf seine Breitling.
In der Ukraine ist Hellwig ein gefragter Mann. Wie auch in den USA und in Dubai.
Ob es sich um ein 18.000 Quadratmeter großes Fabrikgebäude in Kiew, ein futuristisch anmaßendes Autohaus in San Francisco oder eine palastartige Hotel- und Suitenanlage auf der Palme Jumeirah in Dubai dreht – Hellwig hatte noch nie Angst vor großen Projekten.
Seine Aufgabe: den deutschen Qualitätsstandard bei den Bauvorhaben zu verwirklichen. Als praxisnaher Berater und erfahrener Experte in Sachen Bauplanung hat Hellwig sich im Ausland längst einen Namen gemacht.

Seine Auftraggeber locken daher auch mit spannenden Projekten, gigantischen Gewinnspannen und luxuriösem Lebensstandard.
Doch der IPK-Geschäftsführer hat seine Entscheidung nach drei Jahren Auslandstätigkeit getroffen. „Hier habe ich meine Familie und meine Verantwortung“, sagt Hellwig.
Dafür tauscht er die luxuriöse Stretchlimousine und die komfortable Fünf-Sterne-Penthouse-Suite gerne gegen den geräumig VW und sein gemütliches Backsteinhaus. Ukrainischen Schnee und Dubais Hitze gegen Frieslands Regen.
Und die Business-Class im Flieger gegen die Bodenständigkeit. „Hier bin ich zu Hause“, sagt er schlicht.

Seine deutschen Kunden sollen nun von Hellwigs umfangreichem, auf internationalem Parkett gesammeltem Erfahrungsschatz profitieren. „Ich kann auch für meine kleinsten Privatkunden ein Badezimmer mit Sieben-Sterne-Plus-Charakter verwirklichen, dass dem eines Kempinski-Hotels in nichts nachsteht“, so Hellwig.
Seinen Kunden zu vermitteln, dass IPK dabei nicht teurer ist als andereIngenieurbüros, ist hierbei für Hellwig oft die größere Herausforderung. Wer exklusive Milliardenprojekte im Ausland abwickelt – so lautet oftmals das Vorurteil – muss teuer sein.
Doch auch nach und vielleicht sogar weil Hellwig die Erfahrung gemacht hat, dass für einige Auftraggeber Geld keine Rolle zu spielen scheint, hat er den Bezug zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis nie verloren. „Ich saß ja schließlich nicht immer auf noblen Yachten“, sagt der Unternehmer nachdenklich, „gerade die schweren Zeiten waren in meinem Leben die prägenden Phasen.“
Zwar will er als Berater weiterhin einzelne Auslandsprojekte betreuen, aber für die kommenden zehn Jahre plant der IPK-Chef, verstärkt auf und in Bockhorn zu bauen. Und mit einer Planung lag Hellwig bislang noch nie daneben.